Veröffentlich am: 11. September 2026

Sicherheitslücken im Unternehmen: Warum unbemerkte Vorfälle gefährlicher sind als bekannte Risiken


Ruhe ist keine Sicherheit

Laut Schätzungen des EHI Retail Institute bleiben über 98 Prozent aller Ladendiebstähle in Deutschland unentdeckt oder werden nicht angezeigt. Eine Zahl, die zunächst überrascht, denn sie bedeutet im Umkehrschluss nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich passiert, wird überhaupt sichtbar. Der Rest zeigt sich höchstens Monate später in Inventurdifferenzen, wenn überhaupt.

Was für den Einzelhandel gilt, lässt sich auf viele andere Unternehmensbereiche übertragen. Fehlende Vorfälle bedeuten nicht automatisch Sicherheit. Sie bedeuten oft nur, dass niemand genau genug hinschaut.


Das Problem: Ruhe wird mit Sicherheit verwechselt

„Bei uns ist noch nie etwas passiert“ ist einer der gefährlichsten Sätze in der Sicherheitspraxis. Er klingt beruhigend, sagt aber wenig darüber aus, ob tatsächlich alles in Ordnung ist oder ob schlicht niemand hinschaut. Ereignislosigkeit fühlt sich wie Sicherheit an, ist in Wahrheit aber häufig nur die Abwesenheit von Prüfung.

Ein Beispiel aus der Praxis macht das greifbar. Videoüberwachungssysteme werden installiert, laufen über Monate und erst wenn tatsächlich etwas passiert und jemand auf die Aufnahmen zugreifen will, stellt sich heraus, dass die Anlage längst nicht mehr aufgezeichnet hat. Niemand hatte es bemerkt, weil niemand danach geschaut hat. Genau das ist die 98-Prozent-Lücke im Kleinen. Systeme sind vorhanden, doch ohne kontinuierliche Auswertung bleiben Vorfälle im Verborgenen.


Warum diese Lücke so gefährlich ist

Die trügerische Ruhe hat einen konkreten Effekt auf Unternehmen, solange nichts sichtbar schiefgeht, gibt es wenig Anlass in Prävention zu investieren. Sicherheitstechnik wird dann primär als Kostenfaktor wahrgenommen, nicht als Instrument das echten Mehrwert liefert. Erst wenn ein Vorfall eintritt, zeigt sich wie hoch die tatsächlichen Risiken über die gesamte Zeit hinweg tatsächlich waren.

Hinzu kommt die Dunkelziffer betrifft nicht nur klassischen Diebstahl. Auch unautorisierte Zutritte, Vandalismus oder Manipulationen an kritischer Infrastruktur bleiben häufig unbemerkt, solange keine Systeme aktiv zur Auswertung genutzt werden. Ein Perimeter kann noch so gut abgesichert sein, wenn niemand die Daten dahinter regelmäßig prüft, bleibt ein Großteil der tatsächlichen Vorfälle unsichtbar.


Wann haben Sie zuletzt geprüft, ob Ihre Kameras und Zutrittskontrollen wirklich etwas bringen, nicht nur, ob sie laufen?

Die Antwort überrascht oft. Technik ist meist vorhanden. Was fehlt, ist der regelmäßige, aktive Blick darauf. Deshalb beginnt Verbesserung selten mit Neuanschaffung, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme des Bestehenden.

1. Vorhandene Systeme aktiv nutzen, statt nur zu installieren
Viele Unternehmen verfügen bereits über Kameras, Zutrittskontrollen oder Alarmanlagen. Der erste Schritt ist häufig nicht die Neuanschaffung, sondern die Frage: Werden diese Systeme überhaupt regelmäßig ausgewertet und auf Funktionsfähigkeit geprüft?

2. Regelmäßige Stichproben statt reiner Reaktion
Statt erst nach einem Vorfall auf Daten zuzugreifen, hilft ein regelmäßiger, proaktiver Blick auf Aufzeichnungen und Protokolle. So werden Auffälligkeiten erkannt, bevor sie zu größeren Schäden führen.

3. Verantwortlichkeiten für Auswertung klar benennen
Technik allein schafft keine Transparenz. Es braucht klar benannte Zuständigkeiten dafür, wer Daten auswertet, Systeme prüft und Auffälligkeiten meldet, sonst bleibt auch die beste Sensorik wirkungslos.

4. Ehrliche Bestandsaufnahme wagen
Eine einfache, aber wirkungsvolle Übung. Wer beobachtet eine Woche lang bewusst, wer auf das eigene Gelände kommt und wie? Ein solcher Realitäts-Check kostet nichts, deckt aber häufig sofort auf, wie groß die tatsächliche Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität ist.


Fazit: Wer nicht hinschaut, sieht auch nichts

Die hohe Dunkelziffer beim Ladendiebstahl ist eine Erinnerung daran, dass Abwesenheit von Vorfällen nicht mit Sicherheit verwechselt werden darf. Erst durch aktive, regelmäßige Auswertung vorhandener Systeme entsteht echte Transparenz darüber, was tatsächlich am eigenen Standort passiert.

Mit viGuard lassen sich Zufahrten, Zutritte und sicherheitsrelevante Vorgänge lückenlos dokumentieren und nachvollziehbar auswerten. So wird aus einer trügerischen Ruhe echte Transparenz, und Unternehmen erkennen Risiken, bevor aus der Dunkelziffer ein sichtbarer Schaden wird.

Quelle: Podcast „Logistik aus der Praxis“, Staffel „Supply Chain Security“, Auftaktfolge mit Henrik Schneider, Thomas Kunz und Michael Buck